Trotz boomender Wirtschaft sind in Deutschland viele Ausbildungsplätze unbesetzt. Zahlreiche junge Menschen schaffen den Sprung von der Schule in die Ausbildung nicht, bleiben arbeitslos oder finden sich in Maßnahmen des sogenannten Übergangssystems zwischen Schule und Beruf wieder. Ohne eine Berufsausbildung vervierfacht sich das Risiko, langzeitarbeitslos zu werden. Die Joblinge AG unterstützt junge Menschen, aus der Arbeitslosigkeit in die Ausbildung zu starten – mit großem Erfolg.

2017

Förderung seit

2019

Förderung bis

2

Förderphasen

31.500

Fördersumme gesamt

Neue Perspektiven für junge arbeitslose Erwachsene

Die Zielgruppe der Joblinge sind junge Erwachsene, die nicht mehr schulpflichtig sind und deshalb oft unbeachtet abrutschen, wenn sie den Schulabschluss oder Weg in eine Ausbildung nicht geschafft haben. Die Gründe dafür sind vielfältig und individuell: Lernschwäche, schwierige Elternhäuser, manchmal psychische Erkrankungen, Kriminalität oder Schwangerschaft als Teenager. Die Gruppenzusammenstellungen der Joblinge sind entsprechend sehr heterogen.

Die meisten der Teilnehmenden kommen und werden finanziert über die Jugendberufsagentur, die sich um diejenigenkümmert, die zwar nicht mehr schulpflichtig sind, aber noch keine Ausbildung und keine berufliche Perspektive haben.

Das JOBLINGE-Programm beginnt mit einer 8-wöchigen Orientierungsphase, in der die jungen Erwachsenen intensiv durch das hauptamtliche Team betreut werden: Berufsorientierung, Bewerbung schreiben, Praktika suchen gehören ebenso dazu, wie auch Unternehmensbesuche oder ein Kulturprogramm. Wichtig ist dabei der Rahmen: Jugendliche herausfordern, sich mit ihren Stärken zu befassen und mit klaren Regeln und Routinen zu zeigen, wie Arbeitsalltag aussieht. Für manche, die schon eine Weile keinen regelmäßigen Tagesablauf haben, ist das die erste Herausforderung: Pünktlich sein, sich an Fristen halten und Verantwortung übernehmen, wenn etwas nicht gelingt.  Zusätzlich zum hauptamtlichen Team gibt es ehrenamtliche Mentoren, die ab Woche 3 individuelle Begleitung ermöglichen.

Dann geht es in die Betriebe: Durch meist zwei Praktika gewinnen die Joblinge Praxiserfahrung, beweisen sich bei echten Arbeitgebern und lernen, ob ihr Traumjob auf dem Papier sie auch im Alltag erfüllt. Das Ziel ist der Übergang in eine Ausbildung oder Anstellung. Dabei sind die Joblinge sehr erfolgreich: Bundesweit arbeitet die Initiative seit zehn Jahren, in Hamburg gibt es das Programm seit fünfJahren. Acht von zehn der sonst als schwer vermittelbar geltenden jungen Erwachsenen schaffen im Anschluss den Sprung in die Arbeitswelt.

Klare Erwartungen an professionelles Verhalten

sieht Standortleiterin Anja Meyfarth als Ursache für den Erfolg des Programms. „Wir sind keine Sozialpädagogen, kein Jugendclub und fahren auch keinen Kuschelkurs. Wir sind wirtschaftlich orientiert und vermitteln den Joblingen realistische Erwartungen: Teilnehmer werden gesiezt, Probleme angesprochen. Und es gibt echte Einblicke ins Arbeitsleben, wo es gilt, sich Dinge zu erarbeiten.“

Vermittlung allein reicht nicht, es geht um erfolgreiche Ausbildung

Während die Jugendberufsagentur die Vermittlung in Ausbildung oder Beruf als Erfolg zählt, will sich das Team der Joblinge in Hamburg nicht mit den guten Quoten zufrieden geben. Sie begleiteten ihre Teilnehmenden bereits sechs Monate nach dem Übergang, ohne dass es von der Agentur finanziert wurde – und wollten wissen, ob die Begleitung zur erfolgreichen Ausbildung noch besser gelingen kann.

In Gesprächen mit der Stiftung entwickelte sich aus verschiedenen Ideen der Joblinge ein Konzept dazu, wie die Begleitung der Teilnehmenden angepasst werden kann. Wichtig war dem Team vor allem, nicht aufgrund von Anekdoten zu planen, sondern auf Basis von tatsächlichen Daten. In Rücksprache mit der bundesweiten Organisation entwickelte das Team einen Vorschlag, wie die Auswertung der Daten aller Standorte Grundlage für Vorschläge sein kann – und welche Daten zukünftig das Blickfeld erweitern können. Zudem sollten die guten Kontakte in Hamburger Betriebe genutzt werden, um eine Begleitung zu organisieren, die die Bedarfe und Rahmenbedingungen der Arbeitgeber berücksichtigt.

„Die Hans Weisser Stiftung hat uns immer die richtigen Fragen gestellt – Fragen, die wir uns selber nicht unbedingt stellten, auf die wir auch nicht immer sofort eine Antwort hatten. Aber genau diese Denkanstöße motivieren uns, unsere Arbeit weiterzuentwickeln“, sagt Projektleiterin Verena Lenzen.

Um das Projekt umzusetzen, fehlten jedoch die Personalressourcen. Die Lösung lag in einer Kooperation aus Hamburg für Hamburg: Die Hans Weisser Stiftung und die Homann Stiftung förderten gemeinsam die Einstellung von zwei OnPurpose Associates, die im Wechsel jeweils ein halbes Jahr die Umsetzung des Projekts verantworten. OnPurpose vermittelt berufserfahrene Personen mit Erfahrung in der Wirtschaft für einen Karrierewechsel in den dritten Sektor und unterstützt damit jeweils ein Jahr eine Organisation bei einem konkreten Projekt. So konnten kompetente Kräfte für das Daten- und Implementierungsprojekt gewonnen werden, ohne neues Personal einzustellen.

»Das Besondere für uns in der Zusammenarbeit mit der Stiftung ist der ehrliche und vor allem kooperative Austausch – das macht nicht nur Spaß, sondern bringt uns enorm weiter!«

- Verena Lenzen

Aktiv nachfragen statt reaktiv Handeln

Die Analysephase zeigte, dass die Joblinge-Alumni vor allem im ersten Ausbildungsjahr mit ihrer Motivation zu kämpfen haben und sich überfordert fühlen. Die meisten Ausbildungsverhältnisse werden noch in der Probezeit gelöst, wobei sich im Rückblick die Ursachen schwer identifizieren lassen, denn häufig kommen mehrere Auslöser zusammen, die zu einem Ausbildungsabbruch führen.

Mit der Einführung einer regelmäßig durchgeführten Statusbefragung, in der sowohl die Ausbildungsbetriebe, wie auch die Auszubildenden über den Verlauf der Zusammenarbeit befragt werden, sollen zukünftig gefährdete Ausbildungsverhältnisse frühzeitig erkannt und stabilisiert werden. Das Befragungstool wurde so niedrigschwellig konzipiert, dass die Beantwortung die Unternehmen im Arbeitsalltag wenig Zeit kosten und auch die Azubis schnell reagieren können. Ein positiver Nebeneffekt ist dabei, dass sich die Joblinge-Alumni weiterhin begleitet und somit sicher fühlen und auch die Betriebe zu jeder Zeit schnell Kontakt zum Joblinge-Team aufnehmen können.

Sobald eine Schieflage im Ausbildungsverhältnis erkannt wird, kann das Joblinge-Team schnell reagieren.

Durch die Analysephase konnten Dimensionen herausgearbeitet werden, die im Ausbildungsverlauf relevant sind – beispielsweise die Struktur der Ausbildung, Berufsschulthemen und persönliche Lebensumstände. All die Dimensionen wurden wie eine Art Werkzeugkoffer im Verlauf des Projektes mit Inhalten gefüllt, so dass das Team der Joblinge schnell und zielgerichtet auf die individuellen Herausforderungen der Azubis reagieren kann. Auf proaktiver Seite wurde der Angebotskatalog auf die Bedürfnisse und Wünsche der Unternehmen und Auszubildenden abgestimmt, so dass nun halbjährlich ein Ausbilderaustausch mit fachlichem Input stattfindet und auch die ehemaligen Joblinge sich vor allem im ersten Ausbildungsjahr auf Workshops freuen dürfen, die sie inhaltlich unterstützen, Ihnen Ängste nehmen und die Gelegenheit bieten, sich miteinander auszutauschen.

Wirkung

Stand Januar 2019

500

Teilnehmende

76%

Vermittlung in Ausbildung & Arbeit

160

Unternehmen im lokalen Netzwerk

260

ehrenamtliche Mentoren

Eine Förderung gemeinsam mit